Kidz 0039: Warum es so still war – in der Krise

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Eigentlich eine lange Entschuldigungssendung für die Sendungsunterbrechung. Aber vielleicht kann ja der eine oder andere eine Idee mitnehmen, wie eine Krise – nicht nur Corona – sich möglichst störungsfrei durchschreiten läßt.

Ein Gedanke zu „Kidz 0039: Warum es so still war – in der Krise

  1. Danni

    Liebes Podcast-Team,

    ich höre seit längerem euren Podcast mit großem Interesse und Freude.
    Eure Ideen und der Umgang mit der Corona-Krise finde ich sehr spannend und gut, danke für den Podcast.
    Ich arbeite in einem Jugendamt Im Süden Deutschlands und möchte euch in einigen Punkten widersprechen oder ergänzen.

    Grundsätzlich teile ich eure Sorge um die Kinder in Deutschland und finde es auch äußerst schwierig, dass Kitas und Schulen nicht öffnen.

    Ich möchte auf ein paar Punkten eingehen:
    – Wächteramt des Staates: Meine Erfahrung zeigt, dass der Staat das Wächteramt aktuell nicht weniger ausübt als normalerweise.
    Wenn wir eine Meldung bekommen, dann schätzen wir die Gefährdung im Team ein: Muss sofort etwas getan werden oder kann es warten bis zur wöchentlichen Fallverteilung? Was muss getan werden? Es ist richtig, dass wir aktuell eher zurückhaltend sind mit sofortigen Hausbesuchen und nochmal genauer überlegen, ob es notwendig ist oder nicht. Allerdings treffen wir eine fachliche Einschätzung, die wir ja auch verantworten müssen und machen dann auch Hausbesuche. In der weiteren Folge gibt es dann zwischen “Alles ist gut” und einer Inobhutnahme einen großen Spielaum und der kann momentan nur sehr rudimentär ausgefüllt werden. Es ist schwierig Hilfen zu installieren, da Erstgespräche und Kontakte eben nur eingeschränkt möglich sind. Deswegen wird auf andere Lösungen zurückgegriffen, z.B. regelmäßige Gespräche im Amt mit Vereinbarungen wie die nächste Zeit miteinander gelebt werden kann, regelmäßiger telefonischer Kontakt oder Unterbringung in der Notbetreuung.
    In den Fällen in denen wir die Situation so einschätzen, dass es baldige Hilfen braucht und nicht abgewartet werden kann, machen wir eine normale Hilfebedarfsklärung um dann schnellstmöglichst Hilfen zu installieren.

    – Beobachten der Nachbarschaft: Wie ihr ja auch schon gesagt habt, fallen Meldewege weg. Das Jugendamt kann immer nur dann tätig werden, wenn es eine Meldung gibt. Diese Meldungen müssen nun vermehrt von Nachbarn gemacht werden, dabei geht es ja nicht um aufpassen, sondern darum die Augen offen zu halten und zu melden.
    Die Lehrer und Erzieher kennen ihre Kinder meist recht gut und wissen wo es schwierig ist daheim. Ich finde insbesondere diese müssen Familien melden, die nun Hilfe brauchen. Ich fände es auch einen guten Weg, wenn die Lehrer und Erzieher telefonisch Kontakt zu ihren Familien halten MÜSSEN. Natürlich können die Kinder vielleicht nicht frei reden, aber die Fachkräfte kennen die Kinder ja und können das hoffentlich einordnen und dann tätig werden. Wir haben keinen einzigen Anruf einer Schule erhalten mit der Meldung, dass ein Kind nun daheim nicht gut aufgehoben ist, das finde ich schwach von den Schulen.

    – Keine Kindeswohlgefährdung bei Schul- / Kigabesuch: Eine Kindeswohlgefährdung wird bei uns unabhängig von Schul- oder Kigabesuch bewertet. Die zu ergreifenden Maßnahmen orientieren sich dann daran wie das Kind betreut/aufgehoben ist. Dann gehört der Schul- oder Kigabesuch aber mit zum erstellten Schutzkonzept. Wir wurden unmittelbar nach Bekanntgabe der Einrichtungsschließungen aufgefordert alle unsere Fälle durchzugehen und genau diese Fälle dann nochmal zu besprechen. Auch Altfälle, also geschlossene Fälle, die aber unter anderen Voraussetzungen geschlossen wurden, sollten wir durchgehen. Wir haben dann nach wenigen Tagen einen Fragenkatalog erhalten, anhand diesem mussten wir unsere Fälle priorisieren und im Team das aktuelle Vorgehen besprechen. Somit hatten wir dann eine Liste von Fällen im ganzen Team, bei denen uns allen klar war welche Schritte nun notwendig sind (telefonischer Kontakt, ION, Hausbesuch usw.).
    Kinder bis zur 6. Klasse konnten von uns in der Notbetreuung untergebracht werden. In einigen Gemeinden war das ganz einfach mit einem Anruf möglich, andere stellten sich da quer und es war ein großer Aufwand. Einige Kinder konnten so aufgrund einer Gefährdung in der Notbetreuung aufgenommen werden. Auch da sind wir darauf angewiesen, dass uns diese Kinder gemeldet werden.

    – Die SPFH ist tatsächlich hauptsächlich telefonisch in Kontakt, allerdings nur in den Fällen, die der SPFH gut bekannt sind und keine akute Gefährdung vorliegt. In gefährdeten Familien werden weiterhin Hausbesuche gemacht. Sollte im telefonischen Kontakt ein Verdacht entstehen, dass es dem Kind nicht gut geht, dann werden daraufhin Hausbesuche gemacht.

    Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass ihr dem Jugendhilfesystem zumindest in meinem Landkreis nicht gerecht geworden seid. Es ist aktuell eine enorme organisatorische Herausforderung den Kinderschutz weiterhin sicherzustellen und dem sollte auch Rechnung getragen werden.

    Jetzt habe ich ganz viel geschrieben… Gerne dürft ihr mir auch widersprechen oder nachfragen.
    Vielen Dank für euren Podcast und euren unermüdlichen Einsatz für Kinder und im Umgang mit Kindern.

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